
Hauptversammlung in der Garage | Fotos (5): Michael Rösler
von Klaus Schiefer und Ulrich W. Hanke
Aktionäre sind dumm und frech, dumm, weil sie anderen Leuten ohne ausreichende Kontrolle ihr Geld anvertrauen, und frech, weil sie außerdem noch eine Dividende verlangen. So formulierte es einst Carl Fürstenberg. Vorstand Michael Weingarten rezitierte den bekannten Satz und ergänzte um einen zweiten: „Das gilt nicht für Aktionäre der AG für Historische Wertpapiere, denn wo sonst reisen Aktionäre einen Tag vorher an, sind wissbegierig und sportlich zugleich und können noch Sparfüchse sein.“ Auch wenn die Aktionäre den Ausflug zum Unesco-Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg selbst bezahlen mussten, jeder kam am auf seine Kosten. Der Bus nach Goslar war voll, das Wetter bestens und die ganze Truppe gut gelaunt. Los ging es am 17. August mit einem ausgiebigen Frühstück, gefolgt von einer Stärkung im Bus sowie Kaffeezeit. Beim geselligen Abendessen ließen die Sammler den Tag Revue passieren, dem ja noch ein aufregender zweiter Tag folgen sollte.

Vorstand und Aufsichtsrat
Bei der am Samstag, 18. August, folgenden 18. ordentlichen Hauptversammlung in Wolfenbüttel schlug der Vorstand vor, 16 Cent Dividende auszuschütten. Die etwa 50 anwesenden Aktionäre stimmten zu. Nachhaltige Auktionsgeschäfte beeinflussten den Ertrag, darunter
Spekulationen mit mexikanischen Papieren und vom Königreich Westphalen, so Weingarten. Die Zeiten der Großeinkäufe seien dagegen mit der letzten Versteigerung des Reichsbankschatzes seit 2009 vorbei. Keine weiteren Akquisen seien in Sicht. 2013 plane man mit weniger Preislisten im Versandhandel und Eventaktionen, zudem Onlineauktionen. Eine rege Diskussion folgte beim Tagesordnungspunkt 6. Demnach
der Vorstand zum Aktienrückkauf ermächtigt werden sollte. Der Vorschlag wurde dennoch angenommen. Bis zum 17. August 2017 ist es dem Vorstand nun möglich, bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zu erwerben.

Bierzelt-Atmosphäre auf dem Hof
Es folgte die ersehnte
Auktion mit 812 Losen, alle jeweils zum Ausruf von 18 Euro. Unter den ersten 70 Losen kamen dann auch
drei Lose für den Schnäppchenpreis von 18 Euro unter den Hammer. Hochkaräter gab es natürlich auch. Das Los 55, ein Interims-Schein der Arminia Militärdienstkosten-Versicherungs-AG von 1889 ging für 240 Euro weg. Der Schätzpreis des Auktionators lag allerdings bei 750 Euro.

Tombola-Gewinner mit Gründerblankette Saccharin
Die Sammelaktie der BMW AG über 1000×1000 RM aus dem Juni 1944 brachte 460 Euro (Schätzpreis: 1000 Euro). Los 128, eine Aktie der Bremer Vulkan über 1000 Mark vom März 1912 erzielte 220 Euro (Schätzpreis: 500 Euro), Los 132, eine Aktie der Bürger-Ressource-Gesellschaft (25 Gulden, 11. November 1804, Schätzpreis: 2000 Euro) ging für 620 Euro weg, das Papier der
Cie. des Fosses a Charbon de Mr. Marquis de Traisnel für 450 Euro. Schätzpreis für dieses Stück war 2500 Euro – der höchste der Spezial-Auktion.

Spezialauktion
Los 173 (Schätzwert: 600 Euro), eine American Depository Share (ADR) der Daimler-Benz AG über 50 DM vom 12. Juni 1993 ging für 220 Euro weg. Wenn das Papier auf der Rückseite unterschrieben gewesen wäre, wäre es als 10er Stück heute noch gültig. Für die Dresdner Bank Sammelaktie vom März 1944 über eine Millionen Reichsmark fiel der Zuschlag bei 270 Euro (Los 209). Das Papier der Empresa Tauromachice Lisbonese (Los 226) brachte 170 Euro, das der Duisburger Maschinenbau-AG (Los 212) 155 Euro. Los 204
eine 100-RM-Aktie der Döbelner Straßenbahn vom 20. Dezember 1926 (Auflage 770, R6) brachte erstaunlicherweise 220 Euro, der Schätzpreis lag 20 Euro darunter. Nicht alle Papiere waren also Schnäppchen.
Klaus Schiefers Auktion ist übrigens für den 24. November in Düsseldorf geplant.
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