FAVAG | 400 RM | 12. Juni 1928
Die FAVAG-Leitung vertuschte Verluste und eine Erpressung. Um die Angelegenheit diskret zu behandeln, ließ man die Öffentlichkeit auch im Dunkeln, als Zahlungen an die drei Staaten flossen, die Regressansprüche an die FAVAG stellten. Hochriskante Geschäfte sollten die Verluste schließlich kompensieren, was aber gründlich schief ging. Man versicherte sogar ein Schiff, dass offenkundig Alkohol in die USA schmuggelte.
Der Enthüllungsreporter Lauinger wurde als Anerkennung seiner Verdienste in den Beirat des Reichsaufsichtsamtes für Privatversicherung berufen. Doch als Jude konnte er diese nicht lange genießen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er mit einem Berufsverbot belegt und kam 1938 ins KZ Buchenwald. 1939 gelang ihm die Flucht nach England, von wo er bereits 1946 nach Frankfurt zurückkehrte und dort wieder als Journalist arbeitete. Lauinger starb 1961.Die FAVAG wurde 1865 als Frankfurter Glasversicherungs-Gesellschaft gegründet. Sie war ursprünglich ein kleiner Nischenversicherer, hatte sich aber schon kurz nach der Jahrhundertwende zum Allbranchen-Konzern entwickelt. 1915 betrieb man Geschäfte in 17 Ländern – so umfangreich agierte seinerzeit kein anderes deutsches Versicherungsunternehmen. Mit dem Zusammenbruch der FAVAG gründete die Allianz am 21. August 1929 die Neue Frankfurter Allgemeine Versicherungs-Aktien-Gesellschaft (siehe Mitteilung unten).
Die FAVAG-Aktie von 1928 ist im GET-Katalog im Mittel mit 98 Euro taxiert (Höchstpreis: 240 Euro/Tiefstpreis: 12 Euro), Suppes gibt 150 Euro an (für Papiere aus dem Reichsbankschatz 60 Euro). Die Ursprungsauflage war 12.500 Stück, davon lagen wohl bis zu 4000 in der Reichsbank.
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