FAVAG | 400 RM | 12. Juni 1928

FAVAG

Professor Eckhardt Wanner bezeichnete den Konkurs der Frankfurter Allgemeine Versicherungs-AG, kurz FAVAG, erst kürzlich in der Fachzeitschrift „Der Aktiensammler“ (Nr. 2/2011) als „das deutsche Menetekel der Weltwirtschaftskrise“. Das ist sicherlich umstritten. Viele Historiker halten den FAVAG-Konkurs für einen Sonderfall, nicht für den ersten Weckruf der großen Depression Anfang der 30er Jahre in Deutschland. Wanner hält dem entgegen: „Es darf nicht übersehen werden, dass der Bankrott der FAVAG erstmals das ausländische – besonders das amerikanische – Vertrauen in die Stabilität der deutschen Wirtschaft in Frage stellte.“

Versicherungs-Schein

Versicherungs-Schein Foto: HWPH

Wie kam es dazu? Artur Lauinger, Wirtschaftsjournalist der Frankfurter Zeitung, deckte den Skandal um die FAVAG auf. Der Versicherungskonzern war seinerzeit der ärgste Konkurrent der Allianz, in dem die FAVAG letztlich aufging. Das Münchner Unternehmen schreibt heute: „Die Geschäftsleitung der FAVAG berauschte sich zuletzt nur noch an den stetig steigenden Umsatzzahlen. Dabei verstrickte man sich jedoch in hochriskante und teils gar kriminelle Geschäfte. So war die FAVAG schließlich zum Riesen geworden, der wirtschaftlich auf tönernen Füßen stand. Eine in letzter Minute gebildete Untersuchungskommission konnte den Zusammenbruch nur noch konstatieren.“

Die FAVAG-Leitung  vertuschte Verluste und eine Erpressung. Um die Angelegenheit diskret zu behandeln, ließ man die Öffentlichkeit auch im Dunkeln, als Zahlungen an die drei Staaten flossen, die Regressansprüche an die FAVAG stellten. Hochriskante Geschäfte sollten die Verluste schließlich kompensieren, was aber gründlich schief ging. Man versicherte sogar ein Schiff, dass offenkundig Alkohol in die USA schmuggelte.

Siegelmarke

Siegelmarke Foto: Allianz

Der Enthüllungsreporter Lauinger wurde als Anerkennung seiner Verdienste in den Beirat des Reichsaufsichtsamtes für Privatversicherung berufen. Doch als Jude konnte er diese nicht lange genießen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er mit einem Berufsverbot belegt und kam 1938 ins KZ Buchenwald. 1939 gelang ihm die Flucht nach England, von wo er bereits 1946 nach Frankfurt zurückkehrte und dort wieder als Journalist arbeitete. Lauinger starb 1961.

Die FAVAG wurde 1865 als Frankfurter Glasversicherungs-Gesellschaft gegründet. Sie war ursprünglich ein kleiner Nischenversicherer, hatte sich aber schon kurz nach der Jahrhundertwende zum Allbranchen-Konzern entwickelt. 1915 betrieb man Geschäfte in 17 Ländern – so umfangreich agierte seinerzeit kein anderes deutsches Versicherungsunternehmen. Mit dem Zusammenbruch der FAVAG gründete die Allianz am 21. August 1929 die Neue Frankfurter Allgemeine Versicherungs-Aktien-Gesellschaft (siehe Mitteilung unten).

Mitteilung an die Kunden der Favag

Mitteilung an die Kunden der Favag | Foto: Allianz

Die FAVAG-Aktie von 1928 ist im GET-Katalog im Mittel mit 98 Euro taxiert (Höchstpreis: 240 Euro/Tiefstpreis: 12 Euro), Suppes gibt 150 Euro an (für Papiere aus dem Reichsbankschatz 60 Euro). Die Ursprungsauflage war 12.500 Stück, davon lagen wohl bis zu 4000 in der Reichsbank.

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Der Beitrag wurde am 24. April 2012 um 09:00 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Alle Beiträge, Finanz gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen.