Cassella Farbwerke Mainkur | Das Comeback

9. Juli 2012 um 15:00 Uhr

Aktie über 200 DM | Juli 1955

Aktie über 200 DM | Juli 1955 | Foto: HWPH

Liebe Frankfurterinnen, liebe Frankfurter, aber auch liebe ortsfremden Leserinnen und Leser, wir haben unsere Cassella wieder! So ist aus der Allessa Holding GmbH (siehe: Tochter AllessaChemie) die Cassella GmbH geworden, wie die FAZ jetzt berichtet (siehe: Glaskolben leuchtet wieder). Zurück in die Vergangenheit. Karl-Gerhard Seifert, ehemaliger Vorstand der Hoechst AG, Ex-Aufsichtsratschef von Cassella und Chefaufseher von Allessa hat sich die Namensrechte gesichert und die Namensänderung der Holding erwirkt.

Karl-Gerhard Seifert

Seifert | Foto: AllessaChemie

Das war seinerzeit nicht möglich, als mehrere ehemalige Hoechst-Manager die Sparte im Jahr 2001 von Sanofi kauften. Diese gaben den Namen aber nicht auf: AllessaChemie ist ein Ananym von Cassella (umgekehrte Reihenfolge). Das Fechenheimer Unternehmen produziert noch heute mit 800 Mitarbeitern Spezialchemikalien (Pigmente, Farbstoffe, Zwischenprodukte).

Der Unternehmensname geht auf den Friedberger Juden Leopold Cassella (1766-1847) zurück, dessen Geburtsname allerdings David Löb Caßel lautete. 1812 erhielt Cassella das Frankfurter Bürgerrecht und nannte sich um. Da er kinderlos blieb, nahm er die Tochter seiner Schwester wie sein eigenes Kind in der Familie auf. Diese heiratete seinen Prokuristen Ludwig Aaron Gans, der damit 1828 zum Teilhaber wurde. Deren Söhne Friedrich (Fritz) und Leo gründeten 1870 zusammen mit ihrem Schwager Bernhard Weinberg und dem Chemiker August Leonhardt die Cassella Farbwerke Mainkur AG, zunächst noch unter dem Namen Frankfurter Anilinfarbenfabrik von Gans und Leonhardt. Erst 1894 firmierte das Imperium unter dem Namen Leopold Cassella & Co.

Cassella-Werk an der Hanauer Landstraße

Cassella an der Hanauer Landstraße | Foto: Johannes Löw/Wikipedia

Ab 1904 arbeitete Cassella eng mit Hoechst zusammen. 1925 ereilte Cassella dann wie alle deutschen Chemieunternehmen das Schicksal, Teil der IG Farben zu werden. Nach dem Krieg wurde unter anderem der Tennis-Club Cassella gegründet, der als Betriebssportgemeinschaft der Cassella Farbwerke gedacht war und noch heute existiert (siehe: tc-cassella.de). Allerdings durften bereits zehn Jahre nach der Gründung auch Werksfremde Mitglied werden. Die Ausgründung aus der IG Farben begann am 6. Mai 1952 mit der Errichtung der Auffangfirma Cassella Farbwerke Mainkur AG mit einem vorläufigen Grundkapital von 100.000 DM. Die Hauptversammlung am 19. Dezember 1952 erhöhte entsprechend dem Einbringungsvertrag als Gegenwert für die aus dem IG-Vermögen übereigneten Anlagen das Grundkapital um 34 Millionen DM. 1995 wurde Cassella schließlich mit der Hoechst AG verschmolzen. Ausführliche Informationen zur Geschichte gibt es auch unter: www.aufbau-ffm.de.

Alte Cassella-Aktien stammen hauptsächlich aus dem Jahr 1955 (Nennwerte 100, 200, 500 und 1000 DM). Laut Suppes-Katalog sind sie allesamt jeweils 150 Euro wert (Seltenheit R8). Im GET-Katalog sind noch Musterstücke aus dem Jahr 1953 erwähnt (200, 500 und 1000 DM) und ein Anteilschein vom 10. Oktober 1837 über 25 Gulden, der 1997 für 34 Euro den Besitzer gewechselt haben soll – was ich für einen Druckfehler halte. (Ich bin für Hinweise dankbar.)

Nennwert Ausgabe Auflage Wert lt. Suppes Durchschnittswert lt. GET Höchst-/ Tiefstpreis lt. GET
200 DM Mai 1953 k. A. k. A. 245 270/220
500 DM Mai 1953 k. A. k. A. 218 240/196
1000 DM Mai 1953 k. A. k. A. 245 270/220
100 DM Juli 1955 25.000 150 232 635/50
200 DM Juli 1955 10.000 150 125 420/48
500 DM Juli 1955 10.000 150 160 420/51
1000 DM Juli 1955 24.600 150 158 420/50

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